Ti(-er) Amo

Ich muss gestehen, ich habe eine Schwäche für Tierparken (Tierparkenen?) und glaube, ich bin damit nicht alleine.
Endo Anaconda sang einst "im Tierpark hets Meersöili" und unser Langenthaler Stadtpoet Valerio Moser hat einen tollen Text über den Rehgehegegehwegepfleger und seine Arbeit geschrieben und natürlich lockt so ein Tierpark auch viele Familien, Kinder, Senioren, Verliebte und solche, die es werden wollen und eigentlich überhaupt Alle an.


Vielleicht wäre ein Tierpark die Lösung für alle unseren weltlichen Probleme...
Gebt den Menschen kleine, dicke Zwerggeissli und Zack, alle Sörgeli haben sich beim ersten "Jööh" aufgelöst.
Wenn wir den Planeten nicht für uns und unsere Nachkommen retten wollen, dann aber bestimmt für ein paar süsse Wildschweinferkel; beziehungsweise Frischlinge (jaha, ich hab aufgepasst).


Leben doof weil der SCL verloren hat; ab in den Hinterberg, Rehkitz anschauen!
Wieder Schaum im Kreisel; Pony angucken gehen!
Schafe ausgebüxt; einfangen, dann Zwerggeissli bestaunen!


Der Tierpark bietet Lösungen für alle Probleme und wenn nicht, dann wars zumindest schön!
Das schönste Tierpark-Erlebnis hatte ich letztens hier schon einmal kurz angerissen.
Das erste Date mit meinem Kekschen (ja, wir geben uns Kosenamen auf Backwarenbasis) war bei Geissli und Eber.
Es war kalt, es war garstig und nicht allzu romantisch und trotzdem, oder gerade deshalb, eignet sich diese Location so unglaublich gut um Herzen zu gewinnen; probiert es aus - dankt mir später (und schreibt eure Erlebnisse ruhig in die Kommentare). Wir sind nun über 6 Jahre zusammen und wenn es mal Ärger gibt - ab zu den dickbäuchigen Geissli und alles ist wieder gut.

Es gab bei unserem Rendezvous damals eigentlich nur einen kritischen Punkt, etwas was mir in all den Jahren in denen ich neben den Gehegen durchgeschlendert bin, nie aufgefallen ist.
Wir flanieren also bei Temperaturen um den Gefrierpunkt durch die Anlage, die Bise und der Geruch liebestoller Eber treiben uns Tränen in die Augen, wir spazieren Hand in Hand bei den Hirschen vorbei und mein Möffin bemerkt aufmerksam folgenden Punkt: "Ist das nicht etwas morbide, dass beim Häuschen im Hirschgehege ein Hirschgeweih inklusive Kopf über dem Eingang hängt?"
In über dreissig Jahren war mir dies noch nie aufgefallen, aber ja, da hängt ein Schädel eines toten Artgenossen über deinem Eingang in dein Häuschen!
Schon bitz hart, nicht?
Dass mir diese „Groteskheit“ selbst nie aufgefallen war, dass beschäftigte mich schon ein wenig.
(Anmerkung des Schreiberlings: Mittlerweile hängt der Schädel da nicht mehr, warum ist mir leider nicht bekannt.)

Mein Vanilleplunder (der Kosename setzte sich irgendwie nicht durch) schaut mich an und erwartet eine Antwort oder zumindest eine Reaktion meinerseits, während ich anscheinend seit ein paar Minuten einen inneren Dialog mit mir führe, betreffend toten Hirschköpfen und ihrer Platzierung innerhalb eines Hirschgeheges, über Kosenamen auf Backwarenbasis und darüber, warum wir Handtücher waschen, obwohl wir sie nur brauchen wenn wir uns gewaschen haben; aber das ist ein anderes Thema.


Ich bekomme schwitzige Hände, die Sache beginnt mir zu entgleiten, ich schaue meinem Honigkuchen tief in die Augen, versuche mir in Extremis eine ha(h)nebüchene Erklärung aus den kalten Fingern zu ziehen...
Vergebens, kein Hahn, kein Buch, nix... Dann sage ich, aus tiefster Überzeugung und reinstem Herzen: "Schau dort drüben, die kleinen fetten Ziegen!" Romantik, kann ich!


An dieser Stelle hier mal den Verantwortlichen und Mitarbeitern ein dickes Dankeschön und dir, lieber Leser, den Vorschlag, schmeiss doch beim nächsten Besuch einen Fünfliber ins Kässeli, schlussendlich kommt es dir wieder zu Gute; Merci.


GäubBlau
Öie Freudi
 

Tierpark Langenthal, Blog von Freudi, Fredi Greub
Tierpark LangenthalFredi Greub
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