Die Hexe vom langen Thal

Werte Leser*innen, heute möchte ich euch mitnehmen auf eine kleine Zeitreise, da mir allerdings weder ein Delorean noch eine Telefonkabine zur Verfügung stehen (Angebote dafür nehme ich sehr gerne entgegen), muss wohl ein wenig gute alte Fantasie genügen; und das prall gefüllte Stadtarchiv, welches auch online zugänglich ist und von unserem Stadtchronisten Simon Kuert gehegt und gepflegt wird. Vielen Dank an dieser Stelle. Schaut doch mal rein; es lässt sich so mancher Schatz entdecken: www.langenthal.ch/de/portrait/geschichte

Ein Eintrag befasst sich mit den Hexen von Langenthal, welche um 1600 rum gerne mal als Brennholzalternative verwendet wurden. So wurde 1591 die Bärenwirtin angeklagt, eine Hexe zu sein. Der Grund dafür lässt sich leider nicht mehr finden, Gerüchten zufolge war ihre Kartoffelsuppe so lecker, dass es sich nur um Hexerei handeln konnte.
Zudem wusch sie sich nach jedem Toilettengang die Hände, was damals als verwerflich galt. Die Vorgehensweise, um herauszufinden ob es sich nun um eine Hexe handelt oder doch nur um eine sehr gute Köchin, war wissenschaftlich fundiert und fasziniert auch heute noch durch die präzise Aufarbeitung der Fakten (ist euch schon mal aufgefallen, dass zwischen Fakten und Faken nur ein "t" liegt und zwar ein kleines? Dem sollte ich wohl mal auf den Grund gehen...).

Item, die Bärenwirtin Arkana Bär wurde zuerst mal gefoltert (Standardprozedere), dann auf ein Teufelsmal untersucht und abschliessend lieb befragt. Dies wurde in dieser Reihenfolge etwa 15 bis 20 Mal wiederholt, ohne abschliessend einen unwiderlegbaren Beweis ihrer Hexenhaftigkeit zu finden. Da man aber nie vorsichtig genug sein kann und klare Hinweise aus der Bevölkerung vorlagen (die Tippgeberin war eine gewisse Gundel Gaukeley vom Heiss&Fettig Imbiss vis-à-vis), band man die gute Frau schon mal am Pfosten fest und begann Holz zu stapeln.

Erst in letzter Sekunde wurden die Vorwürfe zurückgezogen und die Bärenwirtin verschont. Da man aber schon einen riesigen Aufwand bis hier hin betrieben hatte und sich alle schon darauf freuten, musste dann halt die Denunziantin herhalten.
Anschliessend gab es Kebab im Yldirim für jeden und wie damals üblich wurden alle überlebenden Beteiligten vom Landvogt entschädigt.

Die Wirtin Arkana Bär war aus nachvollziehbaren Gründen leicht angesäuert und wurde in den Überlieferungen wie folgt zitiert: "Ich lebe nun seit 450 Jahren hier in Langenthal und noch nie wurde ich als Hexe bezeichnet!"
Sie verfluchte den Ort mit den Worten: "Keine Lichtsignale sollt ihr nimmer mehr haben und den ganzen Tag mit euren Kutschen im Kreise herumfahren!" Arkana Bär stieg auf ihrem Besen in die Lüfte und ward nie wieder gesehen.
Die Legende besagt allerdings, dass sie in Vollmondnächten über die Stadt fliegt, das Kreiselwasser schaumig schlägt und danach im Bären ein Herrgöttli trinkt.

Ich hoffe ihr habt den Geschichtsexkurs genossen und wenn ihr weitere Mythen kennt, so lasst mich das wissen.

Bis dahin, Wohlan
GäubBlau

Öie Freudi

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