Abschiedsbrief an das La Piazzetta

Habt Ihr in den vergangenen Tagen, Wochen auch eine Nachricht per SMS, Whats App, Messenger, Mail oder sogar durch eine Brieftaube erhalten? Habt Ihr es gelesen in einer der vielen Lokalzeitungen, auf Facebook oder hat das Buschtelefon sonst schon irgendwie Alarm geschlagen? Ja, es scheint wahr zu sein, was einige schon am Ende des Lockdowns befürchtet hatten. Es wurde gemunkelt und spekuliert, dazu gedichtet und weggelassen… (He, füelet nech frei)

Traurig und auch etwas ungläubig sind wohl die richtigen Worte, die die meisten empfanden. Weshalb, wann, wie und wo spielt für mich hier an dieser Stelle absolut keine Rolle und ist schlussendlich für den Pizzi Gast auch nicht wichtig. Fakt ist aber, dass das Pizzi, so wie wir es kennen, nicht mehr länger von Rita und Masi geführt wird.

Ja, Ihr habt richtig gehört (heit de dir würklech ke Nachricht übercho?)

La Piazzetta Langenthal Masi

12 Jahre lang haben die beiden das legendäre kleine Restaurant mitten im Zentrum geführt. Direkt an der rauschenden «Langete» gelegen. Das Resti, in dem man immer irgendwie noch einen Platz zum Sitzen bekommen hat, obwohl es schon aus allen Nähten geplatzt ist. Das Pizzi, mit der kleinen aber mega schönen Terrasse, dort, wo es die tollen Holzofen Pizzas gab, dort, wo die kleine aber feine Speisekarte sich nie veränderte (de hesch aube doheim scho gwüsst was de wosch bsteue), dort, wo es so viele verschiedene Arten von Bier gab und ein «Thesi» für uns Frauen angeboten wurde, für jene, die nicht eine ganze Stange Trinken wollten (eine muess jo aube no heifahre). Dort, wo es im Sommer den unglaublich guten selbstgemachten Eistee gab … (ig bringe ne doheime immer noni so fein häre). Die kleinen, feinen Desserts die Rita jeweils auf der Etagere präsentiert hat, als wären es kleine wertvolle Preise bei einer Tombola. Der Sirup, der immer ohne etwas zu sagen für die Kinder automatisch nachgefüllt wurde. Für die kleinen Gäste gab es bei jedem Besuch immer noch ein Ü-Ei zum Schluss. Wer zum ersten Mal dort war, war am Anfang immer etwas irritiert. Ich habe mich oft köstlich amüsiert, nebenan zu sitzen und den Diskussionen zu lauschen. Weshalb erklärt die Frau mit der auffällig, dick umrandeten Brille (die isch Kult) jedem Gast einzeln die Speisekarte? Weshalb arbeiten hier nicht mehr Leute, wenn der Laden voller Gäste ist, wieso muss ich mich mit meinen Freunden an einen Tisch quetschen, an dem schon 5 Andere sitzen und der Tisch wäre eigentlich für höchstens 4 Personen gedacht, wieso dauert es so lange, bis das Essen kommt und weshalb steht auf dem Tisch so viel Geschirr?

Ja für «hurti hurti öppis ässe und de is Kino oder ane Party stresse», dafür war das Pizzi nicht gemacht. Für einen Besuch musste/durfte man sich Zeit nehmen. (Wenns pressiert de muesch haut i MC oder e Kebap go hole)

Dessert auf der Etagère - La Piazzetta LangenthalMasi

Aber das Schöne war, die Leute, die ihr erstes «Erlebnis» im Pizzi hinter sich hatten, sind gerne wiedergekommen. Irgendwann hat jeder die Philosophie gekannt und geschätzt. Rita und Masi wussten es, uns den Stress des Alltags und die Hektik zu nehmen, alles wurde etwas entschleunigt durch einen Besuch bei Ihnen. Es gab quasi gratis zum Essen etwas Psychohygiene, nette Gespräche und skurrile Mitbringsel von ihren Reisen, mit denen gerne gespielt werden durfte. Im Pizzi war jeder Gast – egal welchen Alters oder welcher Herkunft- nichteinfach nur ein Gast, sondern ein immer willkommener Freund. Die beiden nahmen sich immer Zeit für einen Schwatz oder ein Selfie- sie nahmen sich diese Zeit einfach heraus, einfach so, weil sie es konnten und wollten. Ich habe die beiden in dieser langen Zeit nicht einmal gestresst oder unfreundlich erlebt. Es war ein Erlebnis, ins Pizzi zu gehen. Für mich war die immer wechselnde Deko ein Highlight, manchmal schrill und etwas skurril, manchmal schon fast würdig für ins Kunstmuseum, etwas chaotisch, aber immer liebevoll und herzlich. Jede Kinderzeichnung wurde aufgehängt und den anderen Gästen präsentiert. Es war immer etwas Neues da, mit dem Gross und Klein spielen, sich beschäftigen und darüber diskutieren konnte. So viele Kleinigkeiten, die es zu dem gemacht haben, was es war.

Deko La Piazzetta Langenthal Masi

In dieser langen Zeit hat jeder seine eigenen kleinen Geschichten im Pizzi erlebt. Man hat sich dort vielleicht verliebt, es zerbrachen Beziehungen, man traf Freunde zu einem Feierabend-Bier, der Kummer wurde ertränkt, die Freuden des Lebens begossen. Man ging mit der Familie essen, feierte Geburtstage, Hochzeiten und auch Abschiede. Man holte sich eine Pizza, um sie dann gemütlich zu Hause vor dem TV zu verspeisen, es wurden Konzepte entwickelt und Ideen gesponnen. Für die Kinder (und für die wo no chli Ching si blibe) war das Pizzi wie eine einzige grosse Wundertüte, es gab so viel Lustiges, Unsinniges und Unnützes,das faszinierte und Spass machte. Man fand Bücher, iPads, Würfel, Puzzles, Plüschtiere, Mainzelmännchen (I love it) und diese riesige PEZ-Sammlung an den Wänden aus aller Welt. …Das Pizzi war Basis und Anfang von so vielem und neuem.

Wir werden uns immer gerne an all das zurück erinnern und sind dankbar für die vielen tollen Momente die wir mit Rita und Masi erleben durften. Wir sagen Danke für 12 Jahre Herzblut, Leidenschaft und Gaumenfreude und verabschieden uns vom La Piazzetta,so wie wir es kennen.

Burrata La Piazzetta LangenthalMasi
PizziMasi
Hochzeit im Pizzi Simon
Hochzeit im Pizzi Simon
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