2021: Von grossen Erwartungen im Allgemeinen und Charles Dickens im Speziellen


Hallo 2021, nun bist du endlich da. Komm herein, nimm Platz.
Darf ich dir den Mantel abnehmen, soll ich dir die Füsse massieren?
Selten wurde ein neues Jahr so sehnlichst erwartet wie du.
Ich hoffe, du wirst ein gutes Jahr, zumindest ein besseres Jahr als dein ungeliebter Vorgänger.
Ein Jahr der Hoffnung, ein Jahr der Solidarität, ein Jahr der Erkenntnis, ein Jahr der Heilung.

Wuhrplatz Langenthal
Wuhrplatz Langenthal @masiwork


Du hast natürlich Recht, das ist nicht dein Zuständigkeitsbereich, aber du hast doch bestimmt Connections?

Dürfte ich dich um etwas bitten?
Bitte bring die Kultur zurück.
Ich möchte grossartige Filme im Scala und im Sommerkino geniessen, die von der Sonne erwärmten Pflastersteine unter meinen Sohlen spüren, während von der Fahrbar her eine wohlige Melodie erklingt und sich mit dem Klacken der Pétanquekugeln verbindet.
Ich möchte den Geruch eines aufziehenden Sommergewitters in der Nase haben, der in der Gartenbeiz für Aufregung sorgt.
Ich möchte an Konzerten mit meinem Füdle gwaggle, mit dem Stadtmonarchen an Poetryslams auf der Bühne stehen oder einfach da sitzen und mit tollen Menschen ein 49i trinken.
So ein Bitzeli "Normalität" halt.

Sommerkino Langenthal Sommer 2017
Sommerkino Langenthal Sommer 2017 @masiwork


Ach, das fändest du auch toll aber da kannst du nichts machen?
Unsere Verantwortung sagst du?

Da hast wohl recht, dafür sind wir zuständig und "normal" sollte nicht heissen, zurück ins alte Fahrwasser zu geraten, sondern den Schuss vor den Bug deines Vorgängers zu verstehen und zu akzeptieren, dass es einiges zu verändern und vieles zu verbessern gibt.

Ich spreche nicht davon, dass wir nun alle Schafhirten werden sollten und uns vom Fortschritt abkehren; im Gegenteil, mit grossen Schritten sollten wir nun lange Aufgeschobenes dringlichst angehen.
Eigentlich ist dafür alles vorhanden, Geld, Technologie, Knowhow...
Nur am Willen und dem Bewusstsein haperte es bisweilen noch etwas.
Nun aber haben wir die Chance, Grosses zu bewirken und sollten es um unser Selbstwillen auch tun.
Wie gesagt, das liegt in unseren Händen, sitzt in unseren Köpfen und steht und fällt mit unseren Herzen.
Wir sollten wieder lernen unsere Privilegien zu schätzen, Langeweile als Luxusgut zu behandeln, Dankbarkeit und Demut zu zeigen und Respekt für unsere Mitmenschen zu empfinden, die Natur zu schützen und vor allem unsere Egos ein wenig zurückzuschrauben.

Danke 2021, dank unserer Unterhaltung verstehe ich nun, 2020 war nicht per se schlecht oder gar böse.
2020 war sowas wie der Geist der zukünftigen Weihnacht.
Der Geist welcher Ebenezer Scrooge erscheint und ihm zeigt, wie die Zukunft wird, wenn er sich nicht bessert.
Nun liegt es an uns, wir sind der alte, geizige Griesgram Scrooge und es ist an uns, auf den Geist der zukünftigen Weihnacht zu hören und uns zu verändern.
Das kostet Geld, das verlangt, über den eigenen Schatten zu springen und es bedeutet, Vertrauen zu schenken, in uns und in die Anderen.

Street Festival Langenthal
Street Festival Langenthal @masiwork


Hier würde jetzt ein Absatz stehen in dem der Schreiberling von einer neuen, besseren Normalität faselt, von einem Weg, der zu gehen ist und dessen Ziel nur mit Menschlichkeit und Empathie zu erreichen ist...

Der Tastenklopfer empfindet diese Zeilen allerdings als

A) zu schwülstig und vor Moral triefend
und
B) konnte uns Charles Dickens vor fast 200 Jahren den Spiegel viel besser vor die Nase halten als ich es je könnte.

In diesem Sinne, lest ein gutes Buch (ich hätte da eine Empfehlung), bleibt gesund und wir sehen uns hoffentlich bald beim Füdle gwaggle, in der Gartenbeiz oder anderswo, aber sehr gerne in einer neuen Normalität.


GäubBlau

Öie Freudi

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